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Bleierzbergwerk bei Rescheid - Grube Wohlfahrt - 5.0 out of 5 based on 3 votes

Besucherbergwerk Grube Wohlfahrt

Dreimal täglich werden geführte Touren durch das ehemalige Bleierz-Bergwerk angeboten und sie beginnen am „Grubenhaus“. Rund 15.000 Besucher "fahren" jährlich in die Grube Wohlfahrt bei Hellenthal-Rescheid in der Eifel ein - Tendenz steigend. Das ehemalige Bergwerk, in dem vom 16. Jahrhundert bis 1940 - mit Unterbrechung - Bleierz abgebaut wurde, ist seit 1993 für Bergbauinteressierte geöffnet.

Das genaue Alter des Bleierz-Bergbaues im Rescheider Revier ist nicht bekannt. Einige Hinweise sprechen schon für einen Bergbau in keltisch-römischer Zeit. Die erste bisher bekannte schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1543. Das Blei wurde anfangs Oberflächen nah abgebaut und dadurch hinterließen die ersten Erzgräber in der Umgebung viele Pingen. Das abgebaute Blei wurde für viele Produkte gebraucht wie z.B. Schrotkugeln und andere Geschosse aber auch für Wasserrohrleitungen oder Dachabdeckungen. Zur damaligen Zeit wusste man noch nicht das Blei giftig ist. Durch einen schmalen anfänglichen Stollen schlegelte man sich mühsam mit Schlägel und Eisen in den Berg. Dieser Stollen wurde solange in den Berg getrieben bis die Arbeiten vom Grundwasser immer mehr erschwert wurden und auch nicht weiter vorgeführt werden konnten. So begann man einen ein Entwässerungsstollen (so genannter Tiefer Stollen) direkt neben dem alten Stollen voranzutreiben. Der „Tiefer Stollen“ wurde abschnittsweise durch 21 sehr kleine abgeteufte Schächte, sogenannter Lichtlöcher, angelegt. Man arbeite so von Lichtloch zu Lichtloch sich in beiden Richtungen immer voran. So konnte man schneller den Stollen fertigstellen, da von jedem Lichtloch aus gearbeitet wurde. Durch die Arbeiten bis zum jeweiligen nächsten Teilstück kam man schnell voran. Der „Tiefer Stollen“ der Grube Wohlfahrt war nach Fertigstellung 2,4km lang und trifft dort auf den Schacht der benachbarten Grube die ihren eigenen Stollen etwa 50m höher besaß nämlich den Schwalenbacher Stollen. Ab 1815 war die Grube unter preußischer Verwaltung die dann ab 1839 die Bergwerkskonzession. Der kompetente Industrieunternehmer John Cockerill, ein Brite, erwarb als erster diese. Cockerill besaß bereits schon eine in Seraing bei Achen am Stolberg. Doch die Bergwerkskonzession musste bereits nach etwas über einem Jahr neu vergeben werden da Cockerill verstarb. Die Konzession erhielt dann Barthold Sauermondt. 1849 ließ er die erste Dampfmaschine in der Grube installieren und noch im selben Jahr gründete er seine Kommandite-Aktien-Gesellschaft von „Wohlfahrt und Glücksanfang“. Dies machte Barthold möglich in großem Stil in den Tiefbau zu investieren. Durch die neue Dampfmaschine konnte nun unterhalb des Niveaus des Tiefen –Stollens Bleierz abgebaut werden. Das Erz wurde durch einen Pferdegöpel zu Tage gefördert. Dieser wurde dann durch eine Fördermaschine die ebenfalls durch Dampf betrieben wurde ersetzt. So konnte man tiefer und vor allem schneller das Haufwerk (Gestein und Erz) ans Tageslicht fördern. Die alten Grubenhunte die man per Hand geschoben hatte wurden jetzt durch eine Duckluftlokomotive ins freie transportiert. Da die Druckluft der Lok begrenzt war musst diese immer wieder aufgefüllt werden. Hierzu installierte man, vermutlich an der Stelle wo man heute die diversen Bergmann Graffitis bestaunen kann, eine Durckluftladestation. Beim Laden der Loks hatte die Lokführer vermutlich die Zeit genutzt und nach und nach die Graffitis in die Wand geritzt. Anhand der alten Zeichnungen kann man die Launen der Bergarbeiter ablesen. Diese war oft nicht gut, vermutlich durch die harte und anstrengende Arbeit welche vermutlich nicht gut bezahlt wurde. Ab 1907 wurde die Druckluft Betriebene Lok ausgetauscht. Zuvor musste man für diese elektrische Grubenbahn (Elektrolok) mit einer Spannung von 1000 Volt Gleichspannung im Tiefen Stollen einen Fahrdraht an der Firste anbringen. Da der Stollen nicht gerade hoch war war diese eine erhöhte Gefahr für alle Bergleute die im Stollen verkehrten. Teile des Fahrdrahtes sind heute noch in der Grube vorhanden. Die Gleise jedoch sind demontiert worden und der Boden für Besucher geebnet. Die ehemalige Lok ist nicht mehr vorhanden, sie ist verschollen und der verbleib unbekannt. Der Bergbau wurde zunächst bis 1920 betrieben; dann galt es als ausgebeutet, denn die Gewinnung der Erze aus noch größeren Tiefen wurde unrentabel. 1936 bis 1940 wurde das Werk wegen des erhöhten Bleibedarfs in der Rüstungsindustrie im Nationalsozialismus noch einmal reaktiviert, dann aber endgültig aufgegeben. 1967 wurden das Mundloch des Tiefen Stollens, durch den einst die Grubenbahn verkehrte, und auch die meisten Lichtlöcher verfüllt; vom Bergwerk war nur noch wenig zu erkennen, und es geriet in Vergessenheit. Die Erzförderung erfolgte damals aber schon mit der ersten elektrischen Grubenbahn der Eifel! In der Grube Wohlfahrt wurden 4 Hauptgänge ausgebeutet. Einmal der Astert-Gang (500 m seitliche Ausdehnung), der Eiserne-Thür-Gang (bis 1000 m), der Bärwurzel-Gang und der Gang Nr. 4 (circa 1300 m). Weitere Versuchsgänge wurden aufgegeben, da sie zu unergiebig waren.

 

Mitglieder des Heimatvereins Rescheid zusammen mit Wissenschaftlern der RWTH Aachen begannen, das ehemalige Bergwerk, 1985 wieder freizulegen. Nach aufwendigen Restaurationen und abteufen eines neuen Zuganges (dem heutigen Treppenhausschachts wo die Besucher hinabgehen können) wurde die vergessene Grube Wohlfahrt als Besucherbergwerk der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Unmittelbar neben dem heutigen Zugang zum Bergwerk steht ein Förderturm welcher von einer anderen Grube dort hin geschafft wurde. Er soll dem Besucher das Bergwerk autarker machen. Der originale, nicht mehr vorhanden Förderturm der Grube Wohlfahrt befand sich nicht ganz 2km weiter weg vom heutigen Zugang. Das Gelände worauf sich der Schacht befand ist heute Privatgelände. Am Rande steht jedoch eine Informationstafel. Der ehemalige Schacht ist nur bei sehr heißem Wetter oder beim ersten Schneefall auszumachen. Die Erzgänge Astert-Gang, Eiserne-Thür-Gang und Bärwurzel-Gang kann man auch Übertägig wiederfinden. Auf dem Weg dorthin findet man auch das heutige Lichtloch der Grube die 43 Meter tiefe Bohrung (Bundeswehr-Bohrloch) es wird zur Bewetterung heute genutzt. Nach dem Lichtloch merkt man Untertage das das Wetter sich leicht verändert. Im Bergwerk gibt es übrigens eine ganz dünne Kohleschicht, die älter als die Steinkohle im Ruhrgebiet ist und weit vor der Zeit der Dinosaurier entstanden ist. Sie ist neben der Bergbau Graffiti (vielleicht Deutschland älteste moderne Smileys) welche vermutlich aus Langeweile / oder und Frust in die glatten Wände geritzt wurden, ein Highlight der Führung. In der Ausstellung im „Grubenhaus“ können die alten ehemaligen Werkzeuge der Bergleute begutachtet werden und auch Erze und Mineralien, die im Bergwerk gefunden wurden.

 

Besucherbergwerk "Grube Wohlfahrt" und Bergbaupfad Rescheid

Aufbereitung II 1
53940 Hellenthal Rescheid
Besucherbergwerk "Grube Wohlfahrt"
+49 2448 911140
+49 2448 637

 

Öffnungszeiten:
Ganzjährig täglich 10-16 Uhr, Führungen um 11.00 Uhr, 14.00 Uhr und 15.30 Uhr.

Kosten:
Führung durch den Stollen (90 min.): Erw. 5,50 €, Kinder 3,00 €, Familienkarte 13,- €. Im Preis ist der Museumsbesuch eingeschlossen, Kinder unter 5 Jahren haben freien Zutritt. Eintritt nur für das Museum: Erw. 1,50 €, Kinder 0,50 €, Familienkarte 3,30 €.

 

Literatur
Bremer, J. (1959): Die reichsunmittelbare Herrschaft Dyck. - Landkreis Grevenbroich (Hrsg.), M.-Gladbach.
Grewe, K. (2002): Historische Tunnelbauten im Rheinland. - Materialien zur Bodendenkmalpflege im Rheinland, 14, Bonn.
Hanf, W. (2001): Der Bleierzbergbau bei Rescheid im 18. Jahrhundert. - Vereinsnachrichten, 7, Heimatverein Rescheid e.V. (Hrsg.), 7-12, Hellenthal.
Hübinger, B. (1991): Geschichte des Bleierzbergwerks Gruben Wohlfahrt und Schwalenbach in Rescheid/Eifel 1543-1940. - Diss. Univ. Bonn, Heimatverein Rescheid e.V. (Hrsg.), Büllingen (1994).
Knauf, N. (2003): Silber und Blei - Kupfer und Galmei. Ein Beitrag zur Eifeler Montangeschichte im ausgehenden Mittelalter. - Vereinsnachrichten 9, Heimatverein Rescheid e.V. (Hrsg.): 23-33, Hellenthal.
Knauf, N. (2005):Vom Qualitätsgeheimnis Eifeler Glasurerze. - Vereinsnachrichten 11, Heimatverein Rescheid e.V. (Hrsg.): 26-38, Hellenthal.
Knauf, N. (2009): Der „Alte Tiefe Stollen“ in Rescheid - Ein technisches Meisterwerk zur Zeit des Bleibooms im ausgehenden Mittelalter. - Vereinsnachrichten, 15, Heimatverein Rescheid e.V. (Hrsg.), 38-54, Hellenthal. 
Knauf, N., Reger K. (2007):„Wohlfahrt“. - Vereinsnachrichten 13, Heimatverein Rescheid e.V. (Hrsg.): 20-22, Hellenthal.
Krämer, D. (1964): Das Amt Hellenthal, ein ehemaliges Bergbaugebiet. - Heimatkalender des Kreises Schleiden, Kreis Schleiden (Hrsg.), 64-73, Schleiden.
Reger K. (2004):Unsere Neuentdeckung: Eine Abbildung der ersten elektrischen Grubenlock auf Wohlfahrt. - Vereinsnachrichten 10, Heimatverein Rescheid e.V. (Hrsg.): 48, Hellenthal.
Westermann, E. (2009): Die Bergfreiheit Silbach und ihre überregionalen Beziehungen um die Mitte des 16. Jahrhunderts. Zum „mansfeldischen Intermezzo“ im westfälischen Bleibergbau 1558 bis 1562. - Süd Westfalen Archiv 9, Stadtarchiv Arnsberg (Hrsg.), 83-110, Arnsberg.

 

 

 

Fotogalerie Grube Wohlfahrt

 

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