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Die ehemalige Eisen- und Tempergießerei - 5.0 out of 5 based on 1 vote

Die Heiligenhauser Eisen- und Tempergießerei


Bereits 1898 wurde die Heiligenhauser Eisen- und Tempergießerei vom Namensgeber August Hitzbleck und seinen drei Söhnen gegründet. Im Jahr 1910 besaß die Firma eine der ersten Dampfmaschinen in Heiligenhaus. Die Firma Hitzbleck befand sich zum Zeitpunkt seiner Insolvenz im Juni 2009, in fünfter Generation in Familienbesitz. Mitten in der Innenstadt von Heiligenhaus produzierten hier zuletzt knapp 150 Mitarbeiter hauptsächlich Teile aus Temperguss für Scharniere, Schlösser oder z.B. Beschläge. Verwendung fanden diese hauptsächlich in der Automobil-Zulieferindustrie, der Bauindustrie oder dem Maschinenbau. Von ehemals mehr als 30 Eisengießereien im Raum Heiligenhaus / Velbert hatten zuletzt nur drei überlebt; darunter die Firma Hitzbleck. Die im Jahr 2009 bekanntlich mit voller Härte zuschlagende Wirtschaftskrise und die damit verbundenen Probleme, gerade im Baubereich und dem Maschinenbau, brachten das Traditions-Unternehmen zusehend ins straucheln. Dem Geschäft den Rest, gab dann die im Februar erfolgte Insolvenz der Firma Edscha in Remscheid, die der zweitgrößte Kunde der Heiligenhauser war. Ende 2009 wurde der Großteil der Produktionsanlagen abgebaut und nach Italien verkauft. Seither herrscht Ruhe auf dem Gelände, von dem sich leider zum Zeitpunkt unseres Besuchs nur ein relativ kleiner Teil besichtigen ließ.


Temperguss (lat. temperare-mäßigen) ist ein Eisen-Kohlenstoff-Werkstoff, der anders als bei anderen Gusseisensorten, aufgrund seiner chemischen Zusammensetzung und des Erstarrungsvorganges nach dem metastabilen System des Eisen-Kohlenstoff-Diagrammes, graphitfrei erstarrt und der vorerst harte, spröde Temperrohguss in der Gussform entsteht. Eine anschließende Wärmebehandlung, das Tempern, bewirkt eine Gefügeumwandlung. Der Zementit im Gussgefüge wird erst nach besonders langer Glühzeit zum Zerfall gebracht. Der dabei entstehende Graphit wird als Temperkohle bezeichnet und zeichnet sich durch seine charakteristische Knöllchenform aus. Durch diese Gestalt unterbrechen die Temperkohleflocken den Zusammenhang der metallischen Grundmasse nicht so ungünstig und kerbartig wie die Graphitlamellen im Gusseisen mit Lamellengraphit. Das ist der Hauptgrund, warum Temperguss bessere mechanische Eigenschaften als normales Gusseisen mit Lamellengraphit aufweist und daher als zäh und gut bearbeitbar bezeichnet werden kann. Anhand des Bruch Aussehens wird der Temperguss in schwarzen und weißen Temperguss unterteilt.


Die alte Firma ist über mehrere Gebäude verteilt die bis auf einige unterirdisch durch einen Versorgungsschacht verbunden sind. Dieser geht vom Hauptgebäude im weit verzweigten Keller ab. Dieser Keller war früher für etliche Angestellte der Firma ein alltäglicher Arbeitsplatz. Wie leider in vielen anderen Lost Places ist auch dieser von Vandalismus und Diebstahl nicht verschont geblieben. Die Anwohner und kleinen Betriebe auf dem Gelände wurden von den Behörden aufgefordert wachsam zu sein und jede Aktivität auf dem Gelände zu melden. Die alte Fabrik wurde einige Zeit bei eBay als Top Foto Location versteigert. Dies wurde dann glücklicherweise unterbunden und allmählich flachte der Besucherstrom ab und die Firma viel in Vergessenheit.

 

Fotogalerie der Eisen- und Tempergießerei

 

 

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