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U-Verlagerung Para

Schmieröl Raffinerie Dachs 1 | Übertage Fotogallery | Fotogallery

 

Die unterirdische Schmieröl-Raffinerie Dachs 1 im Jakobsberg bei Porta-Westfalica. Tief unter der Erde ist die U-Verlagerung Para im 2. Weltkrieg erbaut worden.

Nachdem das deutsche Raketenentwicklungszentrum in Peenemünde an der Ostsee (Deckname "Kitz") im August 1943 von britischen Bombern sehr überraschend fast vollständig zerstört wurde, war das Drittes Reich gezwungen zu handeln. Die NS-Regierung beschloss also nach dem die deutschen Rüstungsbetriebe in Peenemünde durch die britische Operation Hydra stark beschädigt wurden kriegswichtige Fabriken unter Tage zu verlagern. Insbesondere wurde die Herstellung vom synthetischen Benzin im sogenannten Geilenberg-Programm unter die Erde verlegt. Das Programm erhielt durch den Generalkommissar für Sofortmaßnahmen beim Reichsministerium für Rüstung- und Kriegsproduktion Herrn Edmund Geilenberg seinen Namen. Die deutsche Flugzeugindustrie wurde unter der Regie des Jägerstabs dezentralisiert und in unterirdische Entwicklungs- und Produktionsanlagen verlegt. Bereits im Herbst 1943 plante das Reichministerium für Bewaffnung und Munition unter Alber Speer die "bombensichere" Verlagerung von wichtigen Rüstungsfertigungen in unterirdische Räume und verbunkerte Bauwerke.  Als potentielle Verlagerungsorte kamen Höhlen, Eisenbahn- und Straßentunnel, Steinbrüche und versteckte Täler in Frage. Die Einrichtung und der Ausbau sowie die auch spätere Produktionsaufnahme waren mit dem Einsatz von Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen verknüpft. Die umfangreichen Baumaßnahmen standen unter der Aufsicht der Organisation Todt, die den Arbeitseinsatz eng mit SS und Gestapo koordinierte.


Die Mineralölindustrie des Dritten Reichs war einer der absolut wichtigsten Industriezweige innerhalb der kompletten streng organisierten Kriegsmaschinerie von Adolf Hitler. Die Raffinerien und Hydrierwerke in Bremen, Castrop-Rauxel, Gelsenkirchen, Hamburg, Hannover, Leuna, Magdeburg und Pölnitz waren ab dem 12.05.1944 konzentriert Ziele der Bombardierungen der Alliierten.  Nach den heftigen Angriffen zwischen dem 12. und dem 28. Mai 1944 waren diese deutschen Hydrierwerke und Raffinerien zugute  90% zerstört worden.  Innerhalb kürzester Zeit wurde eiligst gehandelt  und ein Sonderstab für Sofortmaßnahmen im Mineralölsektor gegründet. Als Leiter des sogenannten „Mineralölstabs“ wurde der ehemalige Leiter des Hauptausschusses Munition Edmund Geilenberg ernannt.

Im Jakobsberg bei Porta-Westfalica sollte darauf hin die unterirdische Schmieröl-Raffinerie Dachs 1 Tief unter der Erde in der U-Verlagerung Para, im 2. Weltkrieg, erbaut worden.  Das Projekt Dachs 1 befand sich in der ersten 1. Welle (A-Projekte) die alle in vorhandene Hohlräume wie Reichsbahntunnel, Bergwerke und Höhlen Untergebracht wurden zur Reparatur und Endmontage.


Zuerst sollte die Aufstellung der einzelnen Decknamen der Untertageverlagerung erwähnt werden:

   • A2
   • C3a
   • Dachs 1
   • Höhle 1
   • Para


„Der Grund für die Vielzahl der Decknamen der Untertageverlagerung ist in der Entstehungsgeschichte des Bauvorhabens zu suchen. Die Anlage „Dachs1“ war eine der ersten U-Verlagerungen überhaupt und zusammen mit den Projekten „Kuckuck 1“ (Deckname Zinnstein) und „Schwalbe 1“ (Deckname Eisenkies) das erste untertägige Bauprojekt des Geilenbergprogrammes. Man betrat also Neuland und niemand wusste so genau, ob das Projekt „Dachs1“ in einem Stollen so funktionieren würde, wie die Planungen es theoretisch voraussagten. Folgt man dem Decknamevergabeschema müsste die Raffinerie „Dachs1“ einen Tarnnamen aus dem Bereich Fische und Amphibien haben. Schließlich wurde ein vorhandenes Stollensystem aus dem untertägigen Sandsteinbergbau an der Porta für die Verlagerung gewählt. Der Deckname für den unterirdischen Hohlraum ist aber Para – ein Münzname. Das liegt daran, dass der verantwortliche Geologe, der die beiden Sandsteinbergwerke rechts und links der Weser auf Tauglichkeit zur Untertageverlagerung untersuchte, in seinem Bericht die Bergwerke „Höhle 1“ und „Höhle 2“ nannte. Dementsprechend wählte das RmfRuK den Decknamen aus dem Münzwesen, nachdem der Verlagerungsbescheid vorlag.  Der Deckname „A2“ wurde von der SS vergeben, die vor allem die Untertage-Baustellen der ersten Bauwelle koordinierten.“ Quelle Kooperationsteam www.übertage-untertage.de  (besser kann man es nicht beschreiben)

Der bekannteste Deckname, „Dachs1“, steht zusammen mit dem Kürzel „C3a“ also für das Geilenberg-Projekt, welches unter Tage verlegt werden sollte und meint damit die U-Verlagerung Para. Dachs I sollte eine unterirdische Raffinerie, deren Endprodukte Schmieröle für Motoren und Maschinen, Paraffin und Asphalt. Die Anlage wurde jedoch nie komplett fertiggestellt da viele Kleinigkeiten immer wieder fehlten und neue Probleme auftraten. Dazu später mehr.


Im Rahmen des Geilenberg-Programms wurde im Juli 1944 eine Sonderkommission aus Vertretern der Mineralölindustrie gegründet, die die Voraussetzungen für die Standorte, welche für eine Verlagerung in Frage kämen, wie folgt formulierte:
“In Betracht kommen nur Stollenanlagen bzw. horizontal zugängliche Hohlräume. Es ist eine Teilung der Betriebsanlagen vorgesehen, so dass nur eine Anzahl Einzelräume von 1.200 – 1.500 qm benötigt werden. Höhe, bis maximal 6 m. Einzelne Kolonnenapparate benötigen eine Höhe von 8 – 10 m, die durch Ausbrüche hergestellt werden muss. Sehr wichtig ist die Wetterabfuhr, die zweckmäßig durch eine Anzahl von Bohrlöchern zu Tage erfolgen muss. Notwendig ist Bahnanschluss und genügender Abstellraum für Waggons, da mit umfangreichem Kesselwagenverkehr gerechnet werden muss. In hiesigem Oberbergamtsbezirk ist für die Erkundung der Betrieb am Jakobsberg bei Porta vorgesehen.”


Bei der genannten Erkundung wurde das untere Stollensystem im Jakobsberg als derart ideal angesehen, dass die Stollensysteme dem Jägerstab entzogen wurden. Sie sollten nun im Rahmen des Geilenberg-Programmes der GEWERKSCHAFT DEURAG-NERAG für eine Schmierölraffinerie in Verbindung mit dem “Ofen-Projekt” zur Verfügung gestellt werden. Die folgenden Anlagen sollten hierbei die Rohstoffe für die Schmierölraffinerie liefern:

• Ofen 1 und 2, betreut von der NERAG, bei Rinteln
• Ofen 3 und 4, betreut von der NERAG. in Brunkensen
• Ofen 5 und 6, betreut von der Wintershall AG, in Mensinghausen
• Ofen 37 und 38, betreut von der NERAG, in Ibbenbürern
• Taube 2, betreut von der Wintershall AG, im Kreis Minden

Das Bauprojekt für die Raffinerie wurde mit  27 Millionen Reichsmark Kostenaufwand beziffert. Diese Summe wurde auf dem speziell eingerichteten “Sonderkonto UHDE” vom Reichsluftfahrtministerium später dann zur Verfügung gestellt. Zwischen März und Dezember 1944 entstand unter Aufsicht der SS eine 15.000 Quadratmeter große unterirdische Fabrik zur Schmierölherstellung.  Die U-Verlagerung C3a sollte fertiggestellt also ab Produktionsbeginn 4.000 Tonnen pro Monat  Schmieröle herstellen.  Betreiber der  unterirdischen Fabrik war die NERAG (Neue Deutsche Erdölraffinerie A.G) aus Hannover.  Bereits im Juni 1945 sollte mit Hilfe von zahlreichen Zwangsarbeitern und hoch qualifizierten Arbeitern die Stollenanlage inklusiver Aufstellung der Produktionsanlage beendet sein und die Produktion beginnen.  Das geförderte Erdöl sollte zunächst in insgesamt  40 geplanten Kleinanlagen (die sogenannten Ofen-Anlagen) verarbeitet werden und die Produktionsrückstände dann an die Dachs Anlagen gebracht werden zur Weiterverarbeitung.  Im gesamten Reich waren insgesamt  10 solcher unterirdischen Produktionsanlagen vom Typ „Dachs“ geplant! Die U-Verlagerung Para war davon die erste und weit fortgeschrittene  Anlage. Ab März 1944 unter der Baunummer 419 wurden, im alten Bergwerk und sein vorhandenes Stollensystem, einige Stollen ausgebaut bzw. umgebaut. Es entstanden durch den Einsatz von vielen Zwangsarbeitern (die von vielen Außenlagern kamen) große Produktionskammern die zur unterirdischen Rüstungsfabrik heranwuchsen.  Der Ausbau begann ab März 1944, zunächst für das Jägerprogramm, ab September 1944 jedoch zur Raffinerie Dachs 1 / C3a unteranderem wurden aber noch bergbaulichen Arbeiten bis Oktober 1944 erledigt. Ein Großteil der Produktionseinheiten wie Kessel, Pumpen, Tankanlagen und so weiter waren zum Ende des Krieges bereits in der Untertageanlage installiert.  Ca. 80 % aller Geräte und Anlagen wurden  durch den riesigen Haupteingang in das Stollensystem gebracht.  Dieser Eingang kann man heute noch von der Straße aus sehen, er ist aber komplett zugemauert und besitzt legendlich ein paar Fledermauseinflugsmöglichkeiten. Die zahlreichen betonierten Fundamente für die jeweiligen Kessel, Tanks usw. sind mit anderen Betonbauten das einzige was in dem großen Stollensystem noch vorhanden ist. Die bereits eingebauten Anlagen wurden zu Kriegsende von den Alliierten demontiert und dann mit Eisenbahnen abtransportiert. Die Anlage stand kurz vor der Produktion von Schmierölen bei Kriegsende. Die Stromversorgung für die Untertageanlage Para wurde durch große Oberleitungen vom Umspannwerk Kirchlengern bei Bünde aus gewährleistet. Die Versorgungseinheit der U-Verlagerung Para lag bei 6.000 Volt Wechselstrom die in einer eigens erbauten Transformatorstation der Firma Siemens auf 220, 380 und 4.000 Volt herunter transformiert wurde und in die Anlagenbereich direkt gespeist wurde.  Der Elektroingenieur Herbert Hering  welcher aus Hausberge stammente, sowie der Ingenieur Martin Haupt waren zuständig für die kompletten und sehr komplexen Stromversorgungseinrichtungen. Zuständig für Be- und Entwässerung der U-Verlagerung A2 war das Ingenieurbüro Hans Fick. Dieses hatte anfallenden Arbeiten bis auf die Aufstellung der Pumpen und Geräte der Abwasserreinigung abgeschlossen. Das Kühlwasser und Brauchwasser wurde direkt aus der Weser mit großen Pumpen gefördert und teils in die oberirdisch, sich auf dem Berg befindlichen, mehreren Tanks geleitet. Das komplette Tanklager für die U-Verlagerung  bestand aus 5 Stahlbeton-Tanks mit einer Kapazität von jeweils 500 Tonnen und 10 liegenden Zylinder-Tanks, mit einer Kapazität von jeweils 50 Tonnen.  Die betonierten Tanks hatten alle das einheitliche OT-Baumaß von 16 Metern.  Von den Tanks gingen die Leitungen oberirdisch bis in den Versorgungsollen hinein. Für Trinkwassergewinnung und Versorgung wurden drei Bohrlöcher in der Nähe der Weser gebohrt und als Wasserreservoir diente der alte Wasserbunker der Glasfabrik Porta Westfalica Meyer & Söhne, direkt unterhalb der Brauchwassertanks auf dem Plateau. Für das Abwasser wurden fünf rechteckige Absatzbecken aus Beton gegossen und Leitungen verlegt.

Vermutlich hätte es nur noch wenige Wochen gedauert und die Anlage Dachs 1 hätte produzieren können denn auch die Versorgungsprobleme von Dichtungen wurde durch die U-Verlagerung Schneider, welche sich in Wuppertal befindet, schnell gelöst. Hierfür wurde diese U-Verlagerung durch das sogenannte Notprogramm rasch realisiert.

Die U-Verlagerung  mit den Decknamen A2, C3a, Dachs 1, Höhle 1 und  Para ist eine beeindruckende Stollenanlage und zeigt allerhöchste deutsche Ingenieursleistungen zur damaligen Zeit. Durch die innere Teilsprengung der Alliierten ist die Anlage extrem gefährlich gewesen und man hat nach und nach sämtliche Eingänge vermauert und zugeschoben.  Tonnenschwere Betonbrocken liegen überall auf der Sohle herum.

 

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