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Geilenbergprojekt Schwalbe II - C1b

U-Verlagerung Eisenrose

 

Vorhaben: Schwalbe II

Firma: Brabag Magdeburg

Standort: Sandsteingebirge

 

Bemerkung:

Stufe 1:  7. 500 t pro Monat Steinkohlenteer oder 12. 000 Mt Braunkohlenteer
Stufe 2:  12. 000 Mt Braunkohlenteer als Produkteinsatz oder 12. 000 Mt Steinkohlenteer als Produkteinsatz

Bau- Objektnummer: 5107

 

Schwalbe II

Schwalbe II war eine für die Braunkohle-Benzin AG (BRABAG) vorgesehene unterirdische Anlage (U-Verlagerungsobjekt) der nationalsozialistischen Rüstungsindustrie zur Herstellung von Flugbenzin im Rahmen des Mineralölsicherungsplans im Sandsteinbruch Niedere Kirchleite bei Königstein in der Sächsischen Schweiz. Das U-Verlagerungsobjekt erhielt den Decknamen Eisenrose und wurde nach kurz nach Baubeginn wieder eingestellt.


Nach dem beschlossen wurde für die geplante Dehydrieranlage für Braunkohlenteer der BRABAG Magdeburg (Deckname Schwalbe II) den Sandsteinbruch "Niedere Kirchleite" zu nehmen fanden im  Sommer 1943 bereits die Sicherungs- und Vermessungsarbeiten statt. Anwohner erzählte man das an dem Ort eine Nudelfabrik entstehen solle (Legendierung als Nudelfabrik). Der Steinbruch eignete sich hervorragend für das Großprojekt, da er eine Hohe Überdeckung besitzt. Die Untertage-Verlagerung Eisenrose wurde durch die OT-Sonderbauleitung Königstein/Sächs. Schweiz (Ingenieurbüro Prof. Rimpl) geplant. Für die komplette Anlage wurden 22 / 23 Stollen geplant mit einer 18000 m2 großen Nutzfläche und einem Verladebahnhof in Strand.  Am 15.11.1944 war Baubeginn, am  Sandsteinbruch, der durch das Außenkommando des KZ Flossenbürg beaufsichtig wurde. Die Ausführung übernahm die Fa. "Kohl & Co." aus der Umgebung.  Der Bau wurde unter der Bau- Objektnummer 5107 geführt. Es wurde eine schmalspurige Transportbahn vom Bahnhof Rathen (Erweiterung um 3 Gleise) zum Steinbruch hin verlegt. Zudem wurde wegen der Straßenverlegung der Abriss von 5 Häusern in der Ortslage Strand begonnen. Die Bewohner wurden, nach den uns vorliegenden Unterlagen, nicht entschädigt. Fast Zeitgleich fing man mit der Auffahrung von 20 Längs- und 1 Querstollen (Deckname Eisenrose) an. Zusätzlich wollte man vmtl. ein geplantes Anschlussgleis am km 30,4 der Strecke Bodenbach - Dresden anfangen. Die geplante Inbetriebnahme der ersten Ausbaustufe sollt am 01.07.1945 stattfinden und die zweite Ausbaustufe am 01.01.1946. Während des Stollenvortriebes kam es am 17.03.1945 zum abrupten Abbruch des Bauvorhabens. Es waren bis zum Abbruch bereits ca. 1350 m Stollen mit 5250 m2 Nutzfläche ausgebrochen worden. Rechnet man den gesamten Stollenaushub durch die 122 Tage (sofern jeden Tag gearbeitet wurde) so wurde jeden Tag 11 Meter geschafft.  In fast fünf Monaten (von November 1944 bis März 1945) legten ungefähr 2000 Zwangsarbeiter aus den KZ-Außenlagern Königstein, Weißig und Sellnitz also das heutig noch vorhandene Stollensystem für das Projekt Schwalbe 2 an. Die beiden Arbeitslager für das Projekt wurden bei Königstein errichtet. Diese haben in vielen Unterlagen die Decknamen "Orion 1" und "Orion 2". Die Fertige Anlage sollte in der ersten Ausbau Stufe (Stufe 1)  7. 500 t pro Monat Steinkohlenteer oder 12. 000 Mt Braunkohlenteer verarbeiten und nach dem Ausbau der Stufe 2  12. 000 Mt Braunkohlenteer als Produkteinsatz oder 12. 000 Mt Steinkohlenteer als Produkteinsatz verarbeiten. Bis auf die Gleisvorbereitungen und den Aushub der ca. 1350m Stollen wurde die U-Verlagerung Rogenstein nie fertig gestellt. Im Herbst 1944 wurde bereits die Verlagerung von technischen Anlagen aus Magdeburg vorgenommen. Die Einlagerung von Anlagenteilen wurde dann im Steinbruch bei Großcotta Ende 1944 durchgeführt. Vermutlich nahm man dort den vorhandenen Eisenbahntunnel sofern dieser nicht bereits als U-Verlagerung diente. Denn dort wurden Kunstgüter eingelagert und bewacht die aus Dresden stammten. Weitere Stollen oder Hohlräume sind in Cotta offiziell nicht vorhanden. Eventuell wurden die Anlagenteile aber auch in Baracken untergebracht. Einige Tage nach dem abrupten Baustopp wurde am 02.04.1945 die Evakuierung der Arbeitslager Orion I und Orion II bei Struppen begonnen. Zwischen Juni bis August 1945 wurde die Demontage der vor Ort vorhandenen technischen Anlagen ausgeführt. Die Stollen wurden nicht wie bei anderen Anlagen gesprengt. So blieben angefangenen Stollen erhalten.  Zeitweilich wurden die Stollen zur Nutzung durch KVP als Gerätelager genutzt. Bis dann 1953 die Übernahme des Systems durch die NVA kam.


Mehrere Jahre befand sich in einem Stollen ein Messgerät (Kilometer) zur Messung von Erdbewegungen usw. des Zentralinstitutes für Physik Potsdam, betreut durch den Strandner Einwohner Siegmar Hohlfeld. Die geophysikalischen Messungen des Zentralinstitutes für Physik Potsdam in Stollensystem 2/4 wurden nach der Wende eingestellt. Im Mai 1993 wurde in einem anderen Stollen für den Königsteiner Schützenverein ein Schießstand eingerichtet. Die Einrichtung eines Schießstandes fand  im Westteil statt.


In der Sächsischen Schweiz hatten wir uns Anfang 2013 über einen Tag Zeit genommen die 23 Stollen und Umgebung der U-Verlagerung Schwalbe 2 bzw. dem Projekt Schwalbe 2 als U-Verlagerung Eisenrose zu erforschen. Die mehr als 23 Stollen sind, unserer Meinung nach, nicht für das Projekt Schwalbe 2 ( U-Verlagerung Eisenrose ) in den Berg getrieben worden sondern bereits schon für das Projekt Orion (U-Verlagerung Riesenrose - Stickstoff- und Methanolherstellung der I.G. Farben Auschwitz (Deckname Orion)  )  Den aus diversen Unterlagen ist herauszulesen das später dort dann nämlich die U-Verlagerung Riesenrose bzw. das Projekt Orion vorgesehen war. Ob man an dieser bereits gebaut hat ist "derzeit noch unklar".  Wir vermuten nein!

Die  Daten der Orion Anlage bzw. der U-Verlagerung Riesenrose:
C.12a Anlage Orion
OT - Einsatzgruppe Dresden
Vorhaben: Orion (I)
Firma: IG - Farben Auschwitz
Standort: Sandsteinwand
Deckname: Riesenrose
Stollenfläche: 18. 000qm
Stollenausbruch: 120. 000qm

 

Fotogalerie U-Verlagerung Eisenrose

 

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