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U-Verlagerung Diabas

Stollenneubau für die Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG

 

Ab April 1944 war es der Plan die Junkerswerke in unterirdische bombensichere Fabriken zu verteilen. In der ersten Verlagerungswelle bekamen die Junkerswerke 37 U-Verlagerungen mit einer gesamten Produktionsfläche von 393.000 Quadratmetern. Im Mai 1944 wurden nochmals 600.000 qm beschlossen und bewilligt. Die Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG bekam vom Jägerstab insgesamt über eine Million Quadratmeter unterirdische Produktionsfläche zugeteilt, diese verteilten sich auf annähernd 60 U-Verlagerungen. Die Unkosten bzw. Baukosten wurden bzw. sollten vom Reich getragen werden. Für das Deutsche Reich und dessen Militär war es unheimlich wichtig so schnell wie möglich, am liebsten komplett, die Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG Untertage zu verlagern. Die größten Untertageverlagerungen für Junkers waren die Projekte Kaolin, Malachit und Diabas, alles Stollenneubauten. Daneben gab es noch eine Vielzahl von kleineren U-Verlagerungen in Reichsbahntunnels, Eiskeller und Bergwerken. Auch in der Naturhöhle "Heimkehle" wurde für die Firma Junkers eine bombensichere Produktionsstätte eingerichtet.
 

Wie wichtig die untertägige Flugzeugteileproduktion war, wird deutlich, wenn man die Zahlen mal ganz nüchtern betrachtet: Bei Fertigstellung der Stollenanlage sollte die U-Verlagerung Diabas eine Produktionsfläche von 60.000 m² haben. Die Objektnummer der unterirdischen Produktionsstätte war 515. Das Deckgebirge war im alten Steinbruch mit 70-100 Metern mehr als ausreichend für die geplante Anlage. Diese sollte 24 Produktionskammern mit dem Profil von 6 x 8 Metern und einer Länge von 100 Metern erhalten. Der Fahrstollen sollte alleine im Querschnitt ein Profil von 6x4 Metern bekommen und zweigleisig Ausgebaut werden.  Ein Reichsbahnanschluss war ebenfalls in unmittelbarer Nähe gegeben, dieser lag von der geplanten Anlage keine 200 Meter weg. Insgesamt waren also die Grundbedingungen für das Stollenprojekt Diabas sehr gut. Denn für den Bau der Anlage  Diabas konnten auch die Loren, Förderwagen und Schmalspurgleise des Steinbruches um die Ecke benutzt werden. Dieser hatte auch Druckluft und viele weitere benötigte Maschinen. Der Aushub sollte dann zudem noch direkt weiter verarbeitet werden im naheliegenden Gipswerk.
 

Der Bau der U-Verlagerung Diabas lag bei der Organisation Todt. (OT) Die erste Besichtigung der Baustelle war im Juni 1944. Neben den Vertretern der Junkerswerke waren auch der Ingenieur Wodsack vom Bauamt des Reichsministeriums für Rüstung und Kriegswirtschaft (RmfRuK), Ingenieur Stieber, der Sonderbeauftragte für die unterirdische Verlagerung und ein Vertreter des Oberbergamts vor Ort. Bereits im Juli 1944 fanden einige Probebohrungen in der alten Gipswand, wo die U-Verlagerung in den Berg getrieben werden sollte, statt. Des Weiteren trafen sich Spezialisten und Ansässige zur einer Sonderbesprechung in dem Steinbruch. Es waren Mitglieder der OT-Einsatzgruppe IV aus Weimar, der Großdeutschen Schachtbau, sowie Mitglieder der örtlichen Bauleitung, Landrat von Schönefeld und Kreisamtsleiter Voss. Die gesamte Aufsicht der Großbaustelle "Diabas" lag bei der Organisation Todt mit Leuten von einer Dienststelle aus dem Harz. Der Bauleiter war der Herr Oberste. Er beaufsichtigte  auch die anderen U-Verlagerungen hier im Umfeld. Der erste Baubeginn der Untertageverlagerung war Anfang August 1944. In einem kleinen Örtchen im wunderschönen Harz wurde der Stollenneubau also vorbereitet und dann schließlich angefangen. Man begann 2 riesige Stollen in den Berg zu treiben die sich dann im inneren mehrfach verzweigen sollten. Für den ersten Vortrieb der Stollenanlage konnten einige Bergmänner aus der benachbarten Erzgrube ausgeliehen werden. Nach Fertigstellung der groß Stollenanlage für die Junkerswerke sollte diese 6 Stollenmundlöcher und zwei Wetterschächte, die auf der zweiten Stollensohle  zu Tage treten, haben.
 

Die Stollen der angefangenen Untertage-Verlagerung mit dem Decknamen "Diabas" wurden zum Teil wieder später zugeschoben (vermutlich Nachkriegszeit) und somit läuft man fast dran vorbei.  Die eigentlichen Stollenmundlöcher sind nach dem Krieg dem Tagebau zum Opfer gefallen. Legendlich ein Stollenmundloch auf eingezäunten privat Gelände ist noch vorhanden. Diese hat aber keine Verbindung mehr zur Stollenanlage, da man diesen Stollen von innen zuschob. Die U-Verlagerung wurde nicht fertiggestellt aber dennoch waren bereits einige tausend Quadratmeter Stollensystem in den Berg getrieben worden. Neben dem nicht fertiggestellten großen Stollensystem der geplanten Großanlage kann man heute einige kleinere übertägige Relikte in der unmittelbaren Umgebung in den Büschen und kleinen Wäldern finden. Darunter befindet sich auch ein Sprengmittellager. Befährt man die Anlage bemerkt man direkt die Stollengröße und weiß direkt hier sollte großes geschehen, definitiv aber kein Bergbau! Viele der heute noch vorhandenen Stollen waren aber destotrotz ihrer derzeitigen Größe noch nicht fertig gestellt. Sie wären noch größer geworden, was man sich eigentlich schier nicht vorstellen kann.
 

Die vom Jägerstab geplante Untertage-Verlagerung Diabas lag wie etliche weitere U-Verlagerungen im großen "Sperrkreis Mittelbau", das bedeutet, dass im Umkreis von annähernd 50 Kilometern rund um Nordhausen öffentliche und private Gebäude einfach beschlagnahmt werden konnten, um die große Anzahl von benötigten Arbeitern, sowie die Bauleitungen schnell unterbringen zu können. Im Großraum Mittelbau mussten insgesamt rund 20.000 Arbeiter schnellst möglich untergebracht werden – und das nur für die Verlagerungsprojekte der Junkers Flugzeug- und Motorenwerke. Wenn die untertägige Produktionsanlage der Junkerswerke fertig gestellt wäre die Produktion angelaufen und es wären Flugmotoren vom Typ Jumo 211 für die eigenen Flugzeuge Sturzkampfbomber (Stuka) Ju 87 und den mittlere taktische Bomber Ju 88, sowie Strahltriebwerke vom Typ Jumo 004 für den Düsenjäger Me 262 in der U-Verlagerung Diabas hergestellt werden. Die Junkerswerke galt  als eine der bedeutendsten Rüstungskonzerne des Deutschen Reiches. Da auch die Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG in Dessau und in den Zweigwerken von den alliierten Bombenangriffen nicht verschont wurden kamen noch weitere U-Verlagerung hinzu die gebaut werden sollten.

 

 

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