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U-Verlagerung "Schneider" - 4.8 out of 5 based on 56 votes

U-Verlagerung SchneiderU-Verlagerung Schneider

18.09.2012 | Chronik | Informationen | Eckdaten | Größe | Grundriss | Fotogallery | Quellen | Danksagung | Weiterführende Links

 

18.09.2012:

Wir waren bis vor kurzem auf der Suche nach der U-Verlagerung Schneider. Aber vermutlich haben wir die U-Verlagerung Schneider ausfindig gemacht. Einige Eckdaten mußten noch überprüft werden. Den Felsenkeller den wir vor einigen Wochen befahren hatten wies mehrere Indizen auf, die auf die U-Verlagerung Schneider schließen ließ, wie Einbauten, unzählige Plastikteile etc. Nach einer weiteren Exkursion mit www.untertage-übertage.de konnten wir zahlreiche eindeutige Indizien für die Untertage Verlagerung Schneider finden. Die U-Verlagerung Schneider war also gefunden worden...

 

Untertage Verlagerung der Firma Wagner & Co. mit dem Decknamen "Schneider"

 

Chronik

30.05.1944

Der Mineralölsicherungsplan ( das Geilenberg-Programm ) wird beschlossen

 

01.08.1944

Ein Gipfeltreffen des Geilenbergstabs findet statt. Edmund Geilenberg (Leiter) und Carl Krauch (Generalbevollmächtigter der Chemie) besprechen die baulichen Maßnahmen der Großanlagen wie z.B. Dachs, Schwalbe, usw. und der Zulieferindustrie wie auch diverse Kleinfirmen wie der Wuppertaler Firma Wagner & Co.

 

August 1944

Die Wuppertaler Firma Wagner & Co wird als "Wichtiger Rüstungsbetrieb" deklariert und mit ins Geilenberg-Programm integriert. Gelder für den Bau bzw. Ausbau des Felsenkellers werden beim Reich beantragt und "SOFORT" genehmigt! Im Reichsministerium für Rüstung und Kriegswirtschaft kurz RmfRuK und der Rüstungsinspektion VI (Essen) wird die Anlage "Ausweichwerk Wagner 1" (AWW1) unter der Objektnummer 1118 aktenkundig. Der Deckname der Anlage wurde auf "Schneider" festgelegt.

 

07.09.1944

Baubeginn: Die Organisation Todt beginnt mit dem Umbau des Felsenkellers zur U-Verlagerung mit dem Decknamen "Schneider". Die Stollen des ehemaligen Felsenkellers wurden mit Schlacke ( vermutlich von der Heinrichshütte in Hattingen - So in vielen anderen U-Verlagerung in Wuppertal zumindestens geschehen) aufgefüllt und begradigt. Die Sohle wurde nach dem begradigen verdichtet und die Arbeitsflächen betoniert. Um eine schnelle und effektive Produktion zu gewährleisten wurden noch Gleise mit einer Spurweite von 60cm (Reichsformat) verlegt. Nach dem betonieren der Sohle wurden die Kammern und Abtrennungen eingebaut. Wenig später schon wurde der Stromanschluss und das Licht installiert ( der Kraftstrom und die Leitungen kamen vom Stammwerk Wagner selbst ). Die ganze Anlage wurde sehr schnell umgesetzt und so ist alles sehr provisorisch, in der U-Verlagerung Schneider, angelegt. Die Produktionsaufnahme war scheinbar sehr sehr wichtig und eilig. Der Umbau wurde  durch Häftlinge (ca. 40-60 Belgier) aus dem Werkseigenen Häftlingslager durchgeführt. Es kamen keine Zwangsarbeiter zum Einsatz. Das Barackenlager, welches sich  in einem Steinbruch befand, besaß  keine Bewachung durch die SS oder Kapos. Es wurden auch keine  Apelle oder Misshandlungen bei den Häftlingen durchgeführt. Den Insassen des Arbeitslagers Wagner ging es relativ, zu anderen Lagern gesehen, gut. Die Baracken waren recht gut ausgestattet und besaßen sanitäre Anlagen. Für die Arbeiter (Häftlinge) gab es sogar ein winzigen Lohn.

 

18.10.1944

Produktionsbeginn in der fertiggestellten Untertage Verlagerung Schneider

 

Die Untertage Verlagerung Schneider

Wie der Deckname eigendlich aussagt muss sich die U-Verlagerung "Schneider" in einem alten Bergwerkstollen befinden. Dies stimmt jedoch aber nicht! Den sie befindet sich in einem Felsenkeller einer alten ehemaligen Brauerei. Gebaut wurde die Untertage-Verlagerung "Schneider" von der Organisation Todt. Der Baubeginn war im Jahre 1944 und die Produktion in der  Anlage erfolgte noch im selben Jahr. Die Firma Wagner die Ihre Produktion im Rahmen des "Geilenberg-Notprogramms" kriegswichtige Kunststofferzeugnisse erzeugte produzierte von dort "vermutlich" im 3 Schichtbetrieb rund um die Uhr kriegswichtige Teile. Es wurden verschiedene Plastik- / Gummiteile produziert vorallem Asphaltbänder, Dichtungsringe, Isolierband, Gewebeband, Kabel und kleinen druckresistenten Präzisions-Rohrleitungen. Eine genaue Auswertung was genaustens Hergestellt wurde erweist sich jedoch vor Ort selbst als sehr schwer, da sich in den Untertäggen Produktionskammern auch Nachkriegszeitliche Plastikteilchen befinden, diese wurden wohl von der gleichen Firma dort unten nach dem Krieg entsorgt. Nach Stundenlangen mühsamen suchen konnten wir aber viele alte Dichtungsringe finden. Die U-Verlagerung war also wirklich komplett fertiggestellt worden und es wurde in ihr auch wirklich produziert. Überreste alter Schuhe, Milchdosen und einer leeren Patronenhülse sowie einer Maschinenstundentabelle bekräftigen dies. Nach Vermessungen der gesamten Anlage und ausführlicher Auswertung der gemachten Fotos kann man auch sagen das die Anlage wirklich in aller kürzester Zeit erstellt wurde wie alte Dokumente es beschreiben. An den Maschinen arbeiteten Facharbeiter der Firma Wagner und für die Logistik und dem Transport wurden Häftlinge eingesetzt. Im Dezember 1944 wurden Lieferungen an die Geilenberg-Anlagen Ofen, Sperber und Taube abtransportiert und im Januar 1945 gingen Großlieferungen an die Großprojekte Dachs und Schwalbe heraus. Im März 1945 kommt der Bahnverkehr durch Bombenangriffe auf die Gleisanlagen in Wuppertal-Langerfeld zum erliegen und die untertägige Produktion in der U-Verlagerung Schneider kommt zum erliegen. Nach dem Krieg wurden die Maschinen entfernt und der Stollen als Lager und Produktionsreste Beseitigung genutzt. Heute ist die U-Verlagerung durch die Baumaßlichen stattgefunden Maßnahmen auf dem Gelände verfüllt worden und somit nicht befahrbar.

 

Im "Decknamenverzeichnis deutscher unterirdischer Bauarten des zweiten Welkrieges", herausgegeben von Hans Walter Wichert, ist diese U-Verlagerung nicht aufgeführt.

 

Eckdaten

  • Ehemaliger Felsenkeller ( keine Bergwerkstollen )
  • 2 Eingänge und ein Wetterschacht der zugleich als Notausgang, der durch eine ca. 8m hohe Leiter erreichbar war, fungierte
  • Bombensichere Überdeckung von ca. 20-30 Meter leicht zerklüfteten Kalk- und Sandstein

 

Größe

Die ungefähre Größe der Anlage veröffentlichen wir sobald wir die Laservermessungsdaten ausgewertet haben und in eine katografische Karte übernommen haben.

 

Grundriss

 Skizze der U-Verlagerung Schneider

 

Quellen

  • Florian Speer: Ausländer im Arbeitseinsatz in Wuppertal
  • Björn Kooger: Rüstung unter Tage
  • Laurenz Demps: Zum weiteren Ausbau des staatsmonopolistischen Apparates der faschistischen Kriegswirtschaft in den Jahren 1943 bis 1945 und zur Rolle der SS und der Konzentrationslager im Rahmen der Rüstungsproduktion, dargestellt am Beispiel der unterirdischen Verlagerung von Teilen der Rüstungsindustrie.
  • Demontageliste
  • Bundesarchiv Koblenz
  • Privatarchiv Eismann ( Teammitglied von www.untertage-übertage.de )

 

Danksagung

Einen besonderen Dank geht an Eismann der mit uns und weiteren Teammitgliedern von Untertage / Übertage  die Untertage Anlage "Schneider" befahren, kartografiert und fotografiert hat. Zudem das er uns sein umfangreiches Privatarchiv für die Recherchen geöffnet hat. Ein weiterer Dank geht an C. Marcus für die Vermessung und Zeichnung des Maßstabsgerechten Grundrisses. Das war eine absolute professionelle Teamarbeit. Danke ebenfalls an Sebi für die Bereitstellung seiner Fotografien. Ohne Euch "alle" hätten wir keinen Bericht derzeit zustande bekommen, vieleicht auch nichtmals in Zukunft...

 

Weiterführende Links

Hier derzeit ein weiterer ausführlicher Bericht der U-Verlagerung Schneider (sehr emotionaler Text)

 

Fotogallery

 

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